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Letzte Änderung / Last update: 2022-Feb-23

Soziale Netzwerke

Meine steile These gleich vorweg:

Das Eintauchen in soziale Netzwerke ist eine temporäre Phase, aus der man irgendwann ohne große Probleme wieder komplett aussteigen kann.


Das illustriere ich hier einfach durch meine eigenen Erfahrungen:

Ich habe bisher zwei solcher Phasen durchlebt und komme derzeit ganz ohne aus (kein Facebook, Instagram oder Whatsapp) und habe trotzdem nicht das Gefühl, etwas zu verpassen. FOMO ( = Fear Of Missing Out - Angst, etwas zu verpassen) ist ja angeblich die vorherrschende Angst dieser Tage. Das kann ich durchaus nachvollziehen, kann aber auch vermelden, dass ich ohne große Beschwerden dann doch auch ohne auskam.


Phase 1: Usenet, die 1990er

Wer es nicht kennt, das [WP Usenet] ist die Urzelle der international verfügbaren Chat-Netze. Zunächst rein auf Textbasis und praktisch eine simple Erweiterung der E-Mail-Funktionalität. Daneben gab es noch weitere "Mailbox-Netze" wie [WP FidoNet], [WP MausNet] oder [WP Z-Netz], die im Grunde ähnlich funktionierten. Das Ganze bitteschön mit Modems, die bei 1200 bit/s anfingen und später bei 28.800 bit/s aufhörten. Da waren keine großen Datenmengen übertragbar.

Im Usenet gab (gibt) es alles, was ein soziales Netzwerk ausmacht: direkte Kommunikation der Teilnehmer untereinander (per E-Mail) sowie spezialisierte Untergruppen, die sich auf bestimmte Themen konzentrierten. Die verfügbaren Untergruppen waren hierarchisch in einer Baumstruktur angeordnet. Beispiele: comp.sys.PC.misc, comp.sys.PC.software, comp.sys.amiga.misc, comp.sys.amiga.advocay. Und dann noch parallel das Ganze in deutscher Sprache mit einem vorangesetzten "de.".

Die genannte ".advocacy"-Gruppe wurde irgendwann nötig, weil ein Großteil der Diskussionen in ".misc" sich dem weltbewegenden Thema widmete "mein Computer ist besser als deiner". Das wurde dann eben in diese Streit-Gruppe ausgelagert, so dass sich die anderen eher sachlichen Diskussionspunkten widmen konnten.

Und wie das Leben so spielt, wir bei Commodore waren mittendrin. Zwischenzeitlich war die Gruppe comp.sys.amiga.advocacy die verkehrsreichste des kompletten, weltweiten Usenets! Mit bis zu 1300 Postings pro Tag. Da flogen die Fetzen ziemlich heftig. Ich selbst immer dabei. Da ich von einem Firmenaccount aus postete, wusste ich, dass ich mir keine zu großen Rüpeleien leisten durfte, ich bemühte mich um sachliche, beruhigende Argumente. Das war nicht immer einfach und damit auch eine große Nerverei.

Als es dann mit Commodore zu Ende ging und auch mit den Nachfolgefirmen Amiga Technologies und PIOS, wo es mich hin verschlagen hatte, hatte ich zuhause durch diverse technische Umstellungen Probleme mit der Kommunikation. Dadurch verlor ich dann zunächst temporär den Kontakt, merkte aber, dass mir das gar nicht so viel ausmachte. Die Sache schlief dann für mich mehr oder weniger ein. Und ich vermisste es kaum.


Phase 2: Wikipedia, ab ca. 2006

Wikipedia ein soziales Netzwerk? Ja, für aktive User tatsächlich. Es war so, dass ich nicht ganz am Anfang eingestiegen bin, sondern ein paar Jahre später, als schon ziemlich viel bestand. Aber das war zum Teil noch rudimentär und dazwischen große weiße Flecken. Da habe ich dann halt mein Wissen eingebracht und einige Beiträge geliefert.

Zu jeder Artikelseite der Wikipedia gehört eine eigene Diskussionsseite. Da bringen die erfahreneren Teilnehmer dann Vorschläge ein, die sie eben nicht gleich öffentlich posten, sondern erstmal zur Diskussion stellen. Oder Leser fragen nach Details, die sie nicht verstehen oder anzweifeln. Das kann dann auch schnell eskalieren. Außerdem gibt es eine Wikipedia-weite, allgemeine Fragen-Seite, auf der man über Gott und die Welt diskutieren kann.

Schnell habe ich dann gemerkt, dass es auch in der Wikipedia Trolle und Streithähne gibt, dazwischen auch noch Leute mit null Ahnung, die sich wie der Elefant im Porzellanladen benehmen. Das führt dazu, dass man nach kurzer Zeit mehr damit zu tun hat, sich gegen verfälschende Edits eigener Beiträge zu wehren, als neue zu verfertigen. Das nervt sehr. Und dann hatte ich privat ein paar wichtigere Probleme und konnte mich nicht mehr so viel um Wikipedia kümmern. Und da passierte wieder das gleiche: Ich merkte, dass ich auch ohne auskam und habe mich dann zum größten Teil zurückgezogen.


Fazit

Mir scheint, dass man die Teilnahme an solchen Netzwerken nicht als so unendlich wichtig ansehen sollte. Meistens geht es auch ohne! Wirklich! Man merkt es spätestens dann, wenn man mehr genervt wird, als dass man lohnende Betätigung genießen kann. Dann kann man es eben ohne schlechtes Gewissen auch ganz bleiben lassen. Man vermeidet dann ja auch u. a. Risiken durch Tracking. Reine Kommunikation, z. B. in einer Nachbarschafts- oder Interessentengruppe, ist ja weiter möglich, und sei es per einfacher E-Mail. Die geht immer. Man muss höchstens auf die Verwendung des richtigen Mail-Programms achten, damit das nicht doch nebenbei noch trackt, sprich um Google-Mail mache ich lieber einen Bogen.






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